Aha, ein Blog.

Wie oft habe ich schon, und schreibe es nicht gern, einen Blog damit begonnen, zu sagen, lange sei es her. Rückblickend würde ich vielleicht sogar behaupten, dass es in etwa jeder zweite gewesen sein muss. Der letzte Eintrag entstand, als ich noch im Zivildienstbüro genug Zeit hatte, oder sagen wir besser zuviel Zeit hatte, dass ich durchaus aus Langeweile das Eine oder Andere vom Stapel lassen konnte. Nun schreibe ich aber aus völliger Überzeugung, auch wenn das hier sicher kein Roman werden wird. Dazu bin ich momentan einfach zu unkreativ. Selbst das Gitarrespielen ist mittlerweile so eingeschlafen, dass ich befürchte, sie verkehrtherum zu greifen, wenn ich sie das nächste Mal aus dem Ständer nehme. Hoffen wir das Beste. Ich werde mich allerdings, widerum aus Überzeugung und nicht aus Pflichtgefühl, wieder mehr um solche Dinge kümmern. Aber der Anfang sei an dieser Stelle gemacht.

Die zentrale Frage, die ich mir selbst auch stellen muss, ist doch, weshalb ich solange in der Versenkung verschwunden war. Obwohl das halbe Jahr, das nun zurück liegt, wirklich irgendwie verrückt war, hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl oder gar Bedürfnis dieses auch schriftlich zu verkünden, dabei gab es doch Zeiten, in denen ich jedes kleine Ereignis hier präsentierte. Ich denke, ich bin immernoch, nein, so sehr habe ich mich nicht geändert, jemand, der gern alles mögliche teilt, indem er es in überheblichen Reden schwingen lässt oder es in verpackten Undurchsichtigkeiten schriftlich niederlegt. Warum habe ich dann nicht geschrieben? (Achtung, Denkansatz!) Ich glaube, nach Begründungen ringend, dass ich mit dem Kopf woanders war. Da wäre eine zerbrochene Beziehung, die mich mitgenommen hat, aber -das habe ich noch nie erlebt- ein gutes Ende genommen hat. So sehr es mich freut, dass es genau so ist, verwirrt es mich immer und immer wieder. Es soll bitte nicht ansatzweise durchklingen, ich käme nicht damit klar; Nein, es ist super und ich fühle mich, wenn nicht gerade fehl am Platz, sehr wohl damit und freue mich darüber, dass eine Freundschaft, die eine Beziehung ja auch ist, weiterhin bestehen kann, ohne dass man sich hassen muss. Wie gesagt, ich habe das trotz dieser Ansicht, die ich schon immer hatte, noch nie erlebt und danke an dieser Stelle dafür, das noch mal zu erleben. Ganz im Ernst.

Quasi zeitgleich, als wäre nicht alles verrückt genug, stand dann die Post an, die mir sagen sollte, ob ich an eine Uni kann, oder lieber arbeitslos -Entschuldigung, suchend- sein muss. Nach einer Menge Alkohol habe ich dann den Brief öffnen (lassen) können. Tatsächlich habe ich einen Studienplatz abbekommen und kann sogar eine gute Kombination studieren, auch wenn nicht in Hamburg. Um die Frage gleich vorweg zu nehmen, was ich hinterher damit anfangen will, versuche ich mit einem Satz zu erklären, was ich da mache. Ich studiere nun die Frage, “warum sich 70.000 Menschen in ein Fußballstadion zwängen und wie man Kindern beibringt, dass es eigentlich Unsinn ist” in Kiel. (Europäische Ethnologie/ Volkskunde und Erziehungswissenschaften/ Pädagogik) Und nein, den genauen Plan habe ich nicht. Dafür habe ich auch noch Zeit (Wir lesen uns in 2 Jahren.) Und nun,nachdem ich dieses komplizierte Universitätswesen einigermaßen verstanden habe, beginnt es richtig Spaß zu machen. Ich muss mich in keinster Weise mit Zahlen quälen, sondern kann mich ganz dem Lesen schwerer Texte widmen und diese zerlegen, diskutieren und widerlegen, wenn ich kann oder will. Es mag unverständlich klingen, aber ich finde die Atmosphäre in der Bibliothek und über einem Text unheimlich inspirierend und spannend. Ich hoffe, diese Euphorie hält noch ein wenig an. Wenn sie nachlässt, wird man es daran merken, das ich weniger blogge. Oder ganz im Gegenteil- Weiss der Teufel, denn der steckt nunmal im Detail. Deshalb weiss er wohl auch soviel. Ich schweife ab.

Die Lage hat sich jedenfalls beruhigt. Ich bin deutlich ruhiger geworden und sehe die meisten Dinge einfach entspannter. Ich denke ich habe diesen Lebenswandel gebraucht. Die neuen Aufgaben, neue Leute um mich herum, neue Gespräche und neuen Tagesablauf. All das scheint mir Aufschwung gegeben zu haben. Vielleicht hat mich auch die viele Arbeit in dem letzten halben Jahr einfach an meine Belastungsgrenzen gebracht, was mich so sehr von eigentlichen Dingen hat absehen lassen. Und zur ständig mitschwingenden Erkenntnissuche dieses Textes bleibt auch sagen, dass ich so manchen Fehler, den ich gemacht habe, nie mehr machen würde und dennoch viel öfter aus dem Bauch heraus entscheiden sollte. Denn wenn es um den eigenen Kopf in der Schlinge geht, ist das Hirn nicht des geeignetste Organ, um Entscheidungen zu treffen.

In diesem Sinne.

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