Herbst. Es ist grau, nass und kalt. Und, liebe Leute, ist das nicht wundervoll!? Das ist genau das Richtige für Vollzeitdepressionshypochonder, für Menschen wie dem Verfasser dieses Blogs- Das bin ich. Ich schlendere durch die Stadt, die mir nach und nach fremder zu sein scheint und wünsche mir jede zweite Ecke als ein Bild in schwarz/ weiss. Dennoch verwischen die Farben, die in Wirklichkeit gar keine sind, und werden grau. Es regnet. Es regnet nicht so, wie man es kennt, es regnet, als würde der Regen durch ein feines Sieb gepresst. Fast zerstäubt trifft der Regen auf meine Klamotten, die eigentlich gar nicht für ein solches Wetter geeignet sind. Man merkt ihn kaum, man merkt nur das feuchte Gesicht, das von Meter zu Meter kälter wird. Man kneift die Augen zu, obwohl man sowieso schon kaum noch etwas sieht- Gerade, wenn man eine Brille trägt. Auf dem mp3-Player laufen die Eels und John Lennon. Schön. Und hin und wieder sehe ich fast schon künstlerische Dinge, die ich nur zu gern mit dem Handy fotografieren würde, mich aber nicht traue. Zurecht, wenn ich das erste Motiv beschreibe. Mitten in einer der größten Einkaufsstrassen der Stadt liegt ein Hundehaufen künstlerisch genau auf einem Blatt drappiert. Ich glaube, der Hund hat das mit Absicht gemacht. Irgendwie ich erinnerte mich der Anblick an ein Essen bei Perfekten Dinner, oder so. Dann, zwei Tage später komme ich an einem Wohnwagen mit polnischem Kennzeichen vorbei. Das Kennzeichen trug die wunderschöne Identifikation „Go West 1″. Einen Moment später kam mir ein weiterer polnischer Wagen, der das Kennzeichen „Go Go 1″ hatte. Ich glaube, und dazu muss man nicht besonders clever sein, dass es dabei eine Verbindung gibt. Ich freue mich gern über die kleinen Dinge des Lebens. Ok, das mit dem Hundehaufen war schon skuril, das gebe ich zu. Aber Formvollendung ist immer einen Blick wert. Der Hund hat sich bestimmt Mühe gegeben und diese sollte auch gewürdigt werden. Punkt. Ich erschrecke mich abermals vor mir selbst.
So grau und trist diese Jahreszeit auch sein mag, bin ich froh, dass sie so ist. Ich als annerkannter und staatlich zertifizierter Sommer-Nichtmöger blühe förmlich auf, wenn ich aus dem Fenster sehe. Jedenfalls lenken keine überflüssigen Farben vom Elend (und der Schweinegrippe) um uns herum ab. Nichts ist beschönigt, alles ist echt und so, wie es eben ist. Bei so einem Wetter kann man sich wenigstens in Ruhe über alles einen Kopf machen, ohne dabei zu schwitzen und vor Farben zu erblinden. Es gibt ja kaum etwas zu sehen, abgesehen von dubiosen Hundehaufen. Was habe ich denn von zurechtgeschummelten Anblicken und Eindrücken?! Gut, ich weiss, dass ich mit dieser Haltung weder gut fahre, noch, dass ich die Freude am Herbst mit vielen Menschen teilen kann. Herbstdenker sind Einzelgänger. Ich empfinde das alles als inspirierend. Denken macht Spass.
Zum sonstigen Empfinden bleibt nicht viel zu sagen. Ich habe die einmalige Chance, an zwei Freitagen das so oft erwähnte Gefühl des Wochenendes zu erleben, denn ich habe die nächsten zwei Wochenenden frei. Ich hoffe sehr, dass ich das Wochenende auch mal wieder auskosten kann. Es ist Dienstag und ich habe Lust auf einen SitIn mit Freunden, Bier, Gitarren, Rockmusik, YouTube- Nervereinen und betrunkenen Philiosophien. Das werde ich mal auf die Beine stellen- Sobald die Woche geschafft ist.
Dienstag ist wie Montag, nur später.