Es ist Zeit, schreiend im Kreis zu laufen.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 3. November 2009 von schueli

Herbst. Es ist grau, nass und kalt. Und, liebe Leute, ist das nicht wundervoll!? Das ist genau das Richtige für Vollzeitdepressionshypochonder, für Menschen wie dem Verfasser dieses Blogs- Das bin ich. Ich schlendere durch die Stadt, die mir nach und nach fremder zu sein scheint und wünsche mir jede zweite Ecke als ein Bild in schwarz/ weiss. Dennoch verwischen die Farben, die in Wirklichkeit gar keine sind, und werden grau. Es regnet. Es regnet nicht so, wie man es kennt, es regnet, als würde der Regen durch ein feines Sieb gepresst. Fast zerstäubt trifft der Regen auf meine Klamotten, die eigentlich gar nicht für ein solches Wetter geeignet sind. Man merkt ihn kaum, man merkt nur das feuchte Gesicht, das von Meter zu Meter kälter wird. Man kneift die Augen zu, obwohl man sowieso schon kaum noch etwas sieht- Gerade, wenn man eine Brille trägt. Auf dem mp3-Player laufen die Eels und John Lennon. Schön. Und hin und wieder sehe ich fast schon künstlerische Dinge, die ich nur zu gern mit dem Handy fotografieren würde, mich aber nicht traue. Zurecht, wenn ich das erste Motiv beschreibe. Mitten in einer der größten Einkaufsstrassen der Stadt liegt ein Hundehaufen künstlerisch genau auf einem Blatt drappiert. Ich glaube, der Hund hat das mit Absicht gemacht. Irgendwie ich erinnerte mich der Anblick an ein Essen bei Perfekten Dinner, oder so. Dann, zwei Tage später komme ich an einem Wohnwagen mit polnischem Kennzeichen vorbei. Das Kennzeichen trug die wunderschöne Identifikation „Go West 1″. Einen Moment später kam mir ein weiterer polnischer Wagen, der das Kennzeichen „Go Go 1″ hatte. Ich glaube, und dazu muss man nicht besonders clever sein, dass es dabei eine Verbindung gibt. Ich freue mich gern über die kleinen Dinge des Lebens. Ok, das mit dem Hundehaufen war schon skuril, das gebe ich zu. Aber Formvollendung ist immer einen Blick wert. Der Hund hat sich bestimmt Mühe gegeben und diese sollte auch gewürdigt werden. Punkt. Ich erschrecke mich abermals vor mir selbst.

So grau und trist diese Jahreszeit auch sein mag, bin ich froh, dass sie so ist. Ich als annerkannter und staatlich zertifizierter Sommer-Nichtmöger blühe förmlich auf, wenn ich aus dem Fenster sehe. Jedenfalls lenken keine überflüssigen Farben vom Elend (und der Schweinegrippe) um uns herum ab. Nichts ist beschönigt, alles ist echt und so, wie es eben ist. Bei so einem Wetter kann man sich wenigstens in Ruhe über alles einen Kopf machen, ohne dabei zu schwitzen und vor Farben zu erblinden. Es gibt ja kaum etwas zu sehen, abgesehen von dubiosen Hundehaufen. Was habe ich denn von zurechtgeschummelten Anblicken und Eindrücken?! Gut, ich weiss, dass ich mit dieser Haltung weder gut fahre, noch, dass ich die Freude am Herbst mit vielen Menschen teilen kann. Herbstdenker sind Einzelgänger. Ich empfinde das alles als inspirierend. Denken macht Spass.

Zum sonstigen Empfinden bleibt nicht viel zu sagen. Ich habe die einmalige Chance, an zwei Freitagen das so oft erwähnte Gefühl des Wochenendes zu erleben, denn ich habe die nächsten zwei Wochenenden frei. Ich hoffe sehr, dass ich das Wochenende auch mal wieder auskosten kann. Es ist Dienstag und ich habe Lust auf einen SitIn mit Freunden, Bier, Gitarren, Rockmusik, YouTube- Nervereinen und betrunkenen Philiosophien. Das werde ich mal auf die Beine stellen- Sobald die Woche geschafft ist.

Dienstag ist wie Montag, nur später.

Entschuldigen Sie, das hier ist jetzt mein Platz.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 26. Oktober 2009 von schueli

Es ist Montag. Montags habe ich immer das dringende Bedürfnis etwas loszuwerden, weiß aber gar nicht so genau, was ich lozuwerden vermag. Eigentlich ist der Montag ja ein ganz normaler Tag. Und ich habe auch nicht viel, was ich loswerden könnte, denn die spannende Phase meines Lebens ist überstanden und ich habe alles hinter mir.  Der Alltag zieht wieder ein und ich überlege gerade, ob das nun gut oder schlecht ist. Jedenfalls kann es so schlecht nicht sein, denn ich bin, wie bereits schon im letzten Eintrag erwähnt, glücklich und zufrieden. Und langweilig ist mir eigentlich auch nicht. Das Wochenende jedenfalls war schön. Nach langem waren wir mal wieder unterwegs und ich hatte irgendwie schon ganz vergessen, wie gut das tut. Beide Abende waren genau so, wie ich mir das Leben in der Stadt immer vorgestellt habe. Freitags waren wir (fast) alle zusammen zuerst im schönen Kandinski und danach im MacThomas, in dem Freddy California performte. Am Samstag waren wir mit ebenfalls mehreren Leuten im Finnegan und haben uns eine Rockabilly Coverband angesehen, die sich, leicht zu merken, The Scoops nennt. Ja, bis auf den Sound war das wirklich anständig, nur leider war der Sound ziemlich dreckig. Wenn man jedoch beachtet, dass dieser Auftritt ihr erster war, gibt es nichts auzusetzen. Danach schlenderten ich und meine bessere Hälfte noch allein durch die Stadt und liessen uns der Cole Street nieder, einem wirklich ungeahnt schönen Laden, an dem ich schon gefühlte 100 Mal vorbei gelaufen bin, aber nie darüber nachgedacht habe, hinein zu gehen. Dort liessen wir uns von der uns bekannten Freundin des DresdenDolls- Drummers mit Pilsener Urquell versorgen und beschlossen, dann noch in die Absturzkneipe um die Ecke zu gehen, die den wunderschönen Namen „Zur Rose“ trägt. Leider oder zum Glück macht diese Kneipe bereits um 1 Uhr zu. Also ging es weiter ins Prians, wo ich schon lange nicht mehr war. Nach einem Flensburger und erschreckenden Erkenntnissen ging es dann nach Hause. Nach einem weiteren halben Bier fiel ich dann ziemlich geschafft vom Tag und Abend ins Bett. Der Sonntag war ebenfalls nach meinem Geschmack. Ja, ich habe genau genommen nichts gemacht. Auch das hatte ich lange nicht.

Jetzt beginnt eine neue Woche, die hoffentlich keine unerfreulichen oder schockierenden Nachrichten aller Art mit sich bringt. Einerseits hoffe ich, dass die Einen wieder glücklich werden, die Anderen keine schlechten Entscheidungen treffen und wieder Andere nicht darunter leiden, dass sich das Leben nicht immer zum Vorteil für einen selbst entwickelt. Am meisten hoffe ich aber immernoch, dass Mama HotDog wieder gesund wird und endgültig ans sichere Ufer kommt. Ich glaube fest daran und bin in Gedanken bei ihr und ihrer Familie.

Bald kommt dann der November und dieser wird ein schöner. Zum einem kommt eine Kings of Leon Live-DVD, zum anderen kommt am 13.11. das Them Crookes Vultures Album und es stehen ebenfalls wundervolle Konzerte an, auf die ich ich besonders freue. Am 17.11. spielen die Editors in der Großen Freiheit 36 und ein paar Tage später die Silversun Pickups, allerdings bin ich mir gerade nicht ganz sicher, wo sie spielen. Wenn alles dann noch ganz toll läuft, fahre ich dann noch für 1 1/2 Tage nach Dänemark. Wenn das nichts ist.

Ansonsten habe ich unheimlich Lust, ein Buch zu schreiben.

Schachteln basteln.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 22. Oktober 2009 von schueli

Ich glaube, zu einer solchen Uhrzeit habe ich noch nie geblogt, aber das nur so nebenbei. Ich hatte heute nur unglaubliche Lust, von meiner Couch aus zu bloggen, anstatt es von einem Bürostuhl zwischen Tür und Angel zu tun. Warum weiss ich auch nicht. Das tolle ist, dass zurzeit alles gut ist. Es läuft. Ich bin zufrieden mit dem, wie es gerade ist und jeder Tag, lass ihn auch noch so anstrengend sein, ist schön. Vielleicht liegt es am Herbst und den Temperaturen, die ich so mag. Ich bin ein Herbstmensch und während alle anderen Depressionen bekommen, sobald sie aus dem Fenster sehen, bekomme ich erst richtig gute Laune. Ist doch toll. Die Arbeit macht nach wie vor viel Spass und ich mag die Arbeit mit Menschen, die sich freuen, wenn man ihnen hilft und trotzdem glücklich sind, wenn es nicht kann, dennoch alle Mühen investiert. Manchmal ist es jedoch auch etwas langweilig, weil ich vielleicht alles zu schnell erledige, weil ich Lust darauf habe. Dann sitze ich nur so rum und befürchte ein neues Hobby, oder sagen wir besser eine neue Beschäftigung für langweilige Zeiten. Ich bastele mit einer hochkomplizierten Software namens Paint Schachteln und ähnliche Dinge. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie man sich auf diese Art beschäftigen kann und wie das Gehirn dabei gefordert wird. Man muss ständig aufpassen, die richtigen Maße zu nehmen und die Klebekanten an Ort und Stelle zu legen, damit alles zusammen passt. Klingt komisch, ist aber so. Heute habe ich eine kleine Schachtel mit verstärkten Seiten und Deckel entwickelt. Dadurch, dass man die Kanten nochmals knickt (abkantet, so sagt es der Fachmann) bekommt die Schachtel eine enorme Stabilität. Und die Schachtel lässt sich soagar verschließen. Der Clou an der ganzen Sache ist aber, dass man ja alles so kreiert, dass man alles aus einem Stück ausschneiden kann und nur wenig Klebe braucht. Wer mich an dieser Stelle für bekloppt hält, bekommt mein vollständiges Verständnis. Wer allerdings eine kleine Schachtel braucht, um etwas zu verschenken, kann sich gern das pdf-Bestellformular vornehmen. Später.

Auch sonst ist alles gut. Es gibt eine Möglichkeit, einen Proberaum für ein Wochenende zu mieten. Darauf habe ich gewartet, um endlich mal mit einem Drummer jammen zu können. Jetzt muss ich nur noch schaffen, ein Wochenende zu finden, an dem wir beide nicht arbeiten müssen. Gar nicht so leicht. Wir sind beide Aushilfen in dem gleichen Betrieb. Mache ich frei, muss er einspringen und umgekehrt. Aber auch das bekomme ich hin. Wer solch geniale Schachtel basteln kann, wird doch an sowas nicht scheitern. Gott, was ist bloß mit mir los?! Es ist Herbst. Meine Zufriedenheit ist mir nicht ganz geheuer. Gleich gehe ich zum Pokern. Mann, bin ich spontan.

Ach, ja. Ich liebe mein neues Zuhause.

Das Leben ist kein Ponyhof und deshalb machen wir hier auch keinen Urlaub.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 19. Oktober 2009 von schueli

Montag. Und ein sehr langer Montag wird es aller Vorraussicht nach werden. Ich habe trotz einiger Pokerbierchen am letzten Abend unheimlich schlecht geschlafen und bin schlecht drauf. Zu allem Überfluss habe ich heute morgen in Herrgottsfrühe feststellen müssen, dass ich heute sehr lange arbeiten muss. Heute Abend findet nämlich der von mir „organisierte“ Dvd- Abend hier bei der Arbeit statt und zwar genau dann, wenn ich eigentlich Feierabend hätte. Kurz überschlagen bedeuten 2 Filme 3 Überstunden, also einen 11 Stunden Tag. Gut, Filmgucken ist jetzt nicht die harte Arbeit, aber ich hätte heute wirklich Wichtigeres zu tun. Ich hätte mich heute lieber meinem Privatleben widmen sollen, denn da ist Einiges zu richten.  Stattdessen sitze ich hier nun (allein), passe auf das Telefon und die Bewohner auf und warte, dass die Zeit verstreicht. Toll. Aber ich bekomme Geld dafür.

Die neue Wohnung ist so gut, wie fertig. Bis auf wenige Details habe ich mir schon ein beschauliches Heim geschaffen, fühle mich sogar wohl dort und gehe gern nach Hause. Zuhause fühle ich mich allerdings auch nach einer Woche noch nicht. Dafür ist alles noch zu neu. So schön neu und unkompliziert.  Endlich bedeutet ein Einkauf oder ein Bier am Abend keine endlos erscheindenden Planungen mehr. 5 Minuten Fußweg zu den Freunden und der Liebsten. gegenüber ein Imbiß, zwei Supermärkte (je nach Geld), ein Bäcker zwei Häuser weiter, 10 Minuten zur Arbeit und im Sommer direkt am Wasser. Kein Wunder, dass es sich noch wie Urlaub anfühlt. Ich bin noch nicht einmal richtig angekommen und will schon nicht mehr weg. Perfekt.

Trotzdem bin ich nicht gut drauf. Denn es fehlt hier was.

Ein Gedicht.

Veröffentlicht in Worte. am 14. Oktober 2009 von schueli

Ein Rauschen tagt in meinen Ohren

Der Wind, er fegt und lässt nichts ruhen,

die Sonne scheint, erweckt goldbraun

ein Eichenblatt, einen Tagestraum.

Schön ist es und trügerisch

Die Welt, sie steht, ist menschenleer

Die Tage gehen, sind kurz und trist

niemand sieht, wie schön es ist

Der kalte Wind erfriert den Geist

Der Blick, er starrt, ihn tief gesenkt,

kein Mensch, der wagt hinauf zu schauen

Ein Tag im Herbst, ein Tagestraum

Home is where your heart is.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 13. Oktober 2009 von schueli

Guten Tag.

Ach, wie schön, dass es einmal etwas Neues zu berichten gibt. Ja, ich bin nun endlich umgezogen. Gute 2 1/2 Jahre hat es gedauert, diesen Entschluß zu fassen und ich bin glücklich, ihn gefasst zu haben. Momentan fühlt sich die neue Wohnung in der Hansestadt noch an wie Urlaub. Irgendwie ist es so, als bewege man sich in einer Ferienwohnung. Alles ist noch ein wenig fremd und wenn man das Haus verlässt, scheint es, als wäre man im Urlaub und wolle gerade etwas erkunden gehen. Im Grunde ist das aber quatsch, weil ich die Gegend ja ziemlich gut kenne und sie nicht wirklich neu erscheinen sollte. Tut sie aber. Irgendwie wirkt die Strasse fremd und so, als sei sie nun eine andere als zuvor. Vielleicht liegt das aber auch nur an dem Blickwinkel aus dem man sie nun betrachtet. Sie ist nun die Strasse, in der wohne, von der ich meinen Alltag, der bald wieder einkehren wird, bestreite. Die Wohnung ansich ist fast fertig und obwohl ich all meine Sachen mitgenommen habe, erinnert sie überhaupt nicht an meine alte. Wenn ich an meinen letzten Umzug denke, kann ich mich nicht entsinnen, dieses Gefühl dort auch gehabt zu haben. Damals hatte ich nicht das Gefühl, im Urlaub zu sein und schon gar nicht den Gedanken, ich könnte nich fremd fühlen, oder es fühle sich fremd an. Ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung, den Standort zu wechseln, gut war. Ich glaube, dass dieses Gefühl das Richtige ist. Alles schreit vor Veränderung und das ist auch gut so.

An dieser Stelle möchte ich mich natürlich auch bei meinen Helfern bedanken, die wirklich sehr fleißig waren. Ohne sie wäre das Ganze ganze nicht so schnell über die Bühne gegangen. Danke, danke, danke, ihr habt alle einen gut bei mir. Den größten Dank möchte ich an meine Freundin loswerden, denn sie hat die Wohnung gefunden, den kühlen Kopf bewahrt und das nötige Auge für Wohnlichkeit. „Schatz, Deckenfluter gehen gar nicht!“ Sie hatte recht.

Zwischendurch habe ich dann auch noch meinen Geburtstag gefeiert. Vielen Dank für die tollen Geschenke und den Abend, der das Älterwerden einleitete. Jetzt seid ihr nicht nur die besten Freunde, sondern auch meine Nachbarn auf dieser kleinen Insel namens Lübeck. Ich freue mich auf Weiteres.

Heute werde ich noch die letzten Spuren meines Lebens am Ende der Welt beseitigen und dann widme ich mich dem Leben in der Stadt- Mit meinen Freunden. Home is where your heart is.

Es gibt Tage, an denen ich mir wünsche, es sei Nacht.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 5. Oktober 2009 von schueli

Ja, nach langer Zeit habe ich wieder Zeit, zu schreiben. Und das liegt wohl zum größten Teil daran, dass ich wieder arbeite. Die letzten Wochen habe ich, oder sagen wir besser wir, damit verbracht bei HotDogs und Danios Mama zu sein- Jedenfalls in Gedanken. Die Ärmste ist nämlich ins Krankenhaus gekommen. Glücklicherweise ist sie auf dem medizinisch wunderlichen, aber steilen Weg der Besserung, was uns alle sehr freut. Wenn ich darüber nachdenke, bin sogar ich stolz auf den gesamten Freundeskreis, der sich so eingesetzt hat, indem permanent der Mama-Newsletter via SMS verschickt wurde und wir so bei jedem Hoch und den wenigen Tiefs in Gedanken bei den Angehörigen sein konnten. Das Erschreckende ist nämlich, dass man bei allem, was man sagt und schreibt, das Gefühl hat, nur mit Phrasen um sich zu schmeißen und man nie wirklich weiß, was nun die richtigen Worten sind. Aber ich denke, wir alle haben das ganz gut hinbekommen. An dieser Stelle nochmals alles Gute für Frau S., die ich gern mal kennenlernen würde, denn diese zierliche Person, wie man mir sie beschrieb, muss eine sehr starke sein. Meinen voherigen Blogeintrag nehme ich zurück, der ist mir jetzt wirklich unangenehm.

Die letzte Woche habe ich durchgehend in der Landeshauptstadt Schleswig- Holsteins verbracht. Ich war dort auf einem Zivi-Seminar. Man könnte ja meinen, ohne jemandem zu Nahe zu treten, dass der Bildungsstand unter Zivildienstleistenen höher ist. Ich meine das auch. Ich war dort nur unter diesen Vorzeigegymnasiasten, die sich noch lieber reden hören, als ich selbst. Aber ganz ehrlich, man muss doch nun wirklich nicht zu Allem etwas sagen, oder!? Nur damit man redet, redet man einfach nicht, finde ich. Gut, ich habe keine Jack Wolfskin Jacke, vielleicht steht es mir deshalb nicht zu, aber ich kann behaupten, dass ich mir mein Geld schon lange selbst verdiene und keine verwöhnte Göre bin. Wenn sich jemand also über falsche soziale Leistungen und Verteilungen beschweren darf, dann jawohl ich, der zweitälteste von 86 angehenden Männern dort in der Zivildienstschule. Aber, ich habe mich nicht aufgeregt. Ich habe derweil, wenn die anderen weiß der Geier was gemacht haben, gelesen und mich verkrümelt. Vielleicht bin ich auch nur zu alt, oder kein FDP- Wähler. Fuck. Schwarz-Gelb. Wäre ich doch nur nicht so sozial eingestellt. Was solls, Deutschland hat demokratisch gewählt- Oder jedenfalls nicht ganz Dreiviertel. Gut gemacht.

Trotz neuer Regierung ziehe ich bald um. Endlich. In meinem Heimatdorf wird wieder verheimlicht. Juhu, es geht dabei auch wieder um mich, aber ich sitze intelligenztechnisch am längeren Hebel und verarsche die nach Strich und Faden. Das mag vielleich arrogant klingen, macht aber wirklich Spass. Schwierig ist nur, sich nicht so darüber aufzuregen, dass mir die Freude auf die neue Wohnung verdirbt. Niemals, dafür freue ich mich zu sehr. Der ganze Umzug wir zwar wirklich kompliziert, aber ich glaube, ich habe soetwas wie einen Plan. Positiv denken, Schüli, positiv denken. Ja, ich bin optimistisch. Ein historischer Moment, wie ich finde. Ich weiß gar nicht, ob ich das schon einmal von mir gegeben habe. Morgen wird sich so einiges entscheiden, vorallem, ob alles so funktionieren könnte, wie ich es mir gedacht habe.

Ach, ja, bevor ich es vergesse, ich danke Selig für ein schönes Konzert am gestrigen Abend. Danke.

Vorzeigehypochonder.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 17. September 2009 von schueli

DingDong, die Post ist da. Ja, so wie jeden Tag, das gleiche Ritual, Post nehmen, Post geben, Post sortieren. Es stellt sich langsam Routine ein und das ist gut, das macht das Arbeiten relaxter und organisierter. Hin oder her ist es aber so, dass mich die Arbeit langsam doch etwas schafft und ich weiß gar nicht so recht, warum. Eigentlich habe ich hier nicht viel zu tun, jedenfalls nicht so viel, dass es mich derart auslutschen würde. Das ist wohl die soziale Falle. Man nimmt, ohne aktiv darüber nachzudenken, viel auf und dann mit nach hause. Man hat ein Bedürfnis, über die Arbeit zu sprechen, um sich Luft zu schaffen. Letztendlich darf man nämlich nicht vergessen, dass man es im sozialen Arbeitsfeld generell mit Schicksalen zu tun hat. In einigen Bereichen mehr, dafür in anderen weniger. Die Menschen, mit denen ich hier arbeite,  haben selbst einen großen Teil zu ihrem Schicksal beigetragen und sind sich dessen im Regelfall auch bewusst. Auf der anderen Seite steht hinter jedem Einzelnen aber auch eine Geschichte aus derem Leben, die mit der Tat und der Haft zunächst einmal nicht zu tun hat. Bei allen ist jedoch auch etwas zuvor passiert. Schulden, Feinde, Drogen, schwere Kindheit, schelchte Ehen. Das volle Klischeeprogramm. Einigen ist auch gar nicht zu helfen. Ihnen wird es nicht leicht gemacht, schliesslich handelt es sich bei dieser Sorte Mensch um Kriminelle, quasi Abschaum. Manchmal ist es aber auch so, dass es besondere Fälle mit besonderer Situation sind, sodass ihnen gar nicht geholfen werden kann, weil es dafür keine Mittel oder Möglichkeiten gibt. Das ist dann besonders gemein. Gut, man kann es so hinnehmen, oder man beschäftigt sich damit. Auch wenn ich nur Zivi bin, versuche ich dann, so gut es nur irgend geht, zu helfen. Vielleicht tue ich auch zuviel für meine Position als „Zwangsarbeiter“. Aber es macht Spass und das Feedback der schweren Jungs stimmt- Ein gutes Gefühl.

Der Körper rächt sich langsam. Ich habe das Gefühl, krank zu werden, schlafe schelcht und denke viel zu viel an die Arbeit. Ich bin müde, verdammt müde und habe das tierische Bedürfnis viel Ruhe zu haben. Leider denke ich dann ständig, ich hätte dafür keine Zeit. Wann auch? Habe nur den Sonntag, an dem meist auch nicht viel Zeit bleibt, weil man sich da auch noch um irgendwelche Dinge kümmern muss. So ist das nunmal. Mir fehlt Zeit zum Abschalten. Gerade jetzt, weil ich krank werde und einerseits keine Lust habe, dass es schlimmer wird und zu anderen, weil ich sie sonst auskurieren müsste. Schnupfen ist kein Zuckerschlecken. Ich bin einfach zu kaputt und Ausgelutscht, BurnOut nennt man sowas neudeutsch, glaube ich. Der Schnupfen ist Anzeichen von Müdigkeit. Herr Gott, bin ich weinerlich!

So, ich muss denken.

Das größte Glück des Menschen ist das Glück.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 14. September 2009 von schueli

Glück gehabt. Der Ablauf einer nahezu unglaublichen Glücksgeschichte war wie folgt. Nach einer Nacht mit ein wenig viel Alkohol erwachte ich unverhofft gegen 15 Uhr. Zuvor wurde ich bereits einmal wach, weil ich tatsächlich dachte, ich hätte etwas zu tun an diesem Sonntag. Nach langem Nachdenken und Diskutieren mit mir selbst stellte ich beruhigt fest, dass dieser Tag nichts zu fordern hatte. Ein herrliches Gefühl von Freiheit und Gelassenheit machte nur eine Lösung, oder sagen wir besser nur einen Weg, möglich. Nichts tun. Nichts tun, ausser im Bett liegen, auf der Couch liegen, fernsehen und wie gesagt, nichts tun. Nun stellte sich enorme Zufriedenheit ein. Mir war so, als hätte ich dieses erlösende Gefühl schon sehr lange nicht mehr gehabt. So schlug ich mich also mit gefühlten 10 Folgen von den Simpsons durch den Spätnachmittag und wartete darauf, dass um 20.15 Uhr der Simpsons- Film kommt. Dazu dachte ich in meiner Faulheit an die Pizza am Abend. Es hätte nicht schöner sein können- Dachte ich jedenfalls bis dato. Doch dann…

…dann bekam meine Liebste, die neben mir auf der Couch eine ähnliche Haltung eingenommen hatte, eine revolutionäre Kurznachricht von ihrem Arbeitskollegen, dem Rethorikopfer, den Daniel und ich mal zufassen hatten, mit folgenem sinngemäßen Inhalt: „Ich habe noch Karten für Bodo Wartke heute Abendund kann nicht hin. Willst du sie haben?“ Bingo! Die Faulheit wich der Unternehmungslust. Kurz geklärt, den Danio angerufen, angezogen, geduscht (nee, anders herum) und los ging es. Ein Hauch von Großstadtfeeling überzog mich. Ich glaube ich habe noch nie spontan ein großes Konzert besucht. Wie auch in dieser Stadt?! Mir war so, so müssen sie sich fühlen, wie die Leute in Grosßtädten, die ganz spontan zu Konzerthallen fahren und sich noch kurz schwarz oder am Schalter eine Karte zu erhaschen. Toll. So fühlt sich das also an.

Als wir dann die Halle betraten ging die Freude weiter. Die Entscheidung, noch ein Bier vor dem Konzert zu trinken, war die wohl beste, die wir hätten treffen können, denn es war HappyHour! Bingo#2. Aus einem Bier wurden zwei, das konnten wir uns bei dem Preis ruhig mal gönnen. Dann ging es in den Konzertsaal der MuK in Reihe 13, „Tschuldigung, Tschuldigung, Danke…“, Platz 10 und 11. Dort angekommen saßen dort bereits Leute. Dem Größenwahn erlegen sagte ich nur trocken zu den dort Sitzenden: „Nun haben wir hier ein kleines Problem!“ und zückte meine Karte. bevor ich die Situation begreifen konnte, tat dies einer der Sitzenden mit folgenden Worten: „Tja, da sind sie wohl in der falschen Reihe.“ Etwas peinlich berührt dann wieder „Tschuldigung, Tschuldigung, Danke…“ zurück und die richtige Reihe, Reihe 19. Was dort in meinem Hirn los war, weiß ich bis jetzt noch nicht. Egal.

Bodo zeigte ein wahnwitziges Konzert, das sich permanent zwischen hohem literarischen, rethorischem Liedgut und völliger Unsinnigkeit bewegte. Er erzählte viel, sang tolle Lieder und ich stellte erstaunt fest, welch großer Musiker dort vor mir saß- Ein beeindruckender Pianist und Sänger, der tolle Dinge sagt und singt. Laut seiner Aussage sei das gestrige Konzert sein größtes gewesen und dankte ehrlich seinen Eltern und seinem Klavierlehrer, dem er noch ein instrumentales russisches Stück widmete. Wow. Zum Ende gab es Standing Ovations und zwei Zugaben. Mich überzog Gänsehaut.

Ein Sonntag mal anders. Danke, dass ich soetwas mal erleben durfte. Ich beginne diese Stadt immer mehr zu lieben- So einfach kann es sein.

Offener Brief an die Liebe.

Veröffentlicht in unterste Schublade. am 10. September 2009 von schueli

Liebe Liebe,

Ich schreibe dir, weil du es wert bist und ich glaube, dir die einen oder anderen Zeilen verfassen zu müssen. Liebste Liebe, wer bist du eigentlich? Wer bist du, dass du so sein kannst, wie du bist und du so sein kannst wie du immer warst? Wer bist du, liebe Liebe, dass alle Menschen dich so lieben und gleichzeitig hassen können? Du bist nie geständig, nimmst aber gern jede Schuld für alles Unheil dieser Welt auf dich, ohne auch nur einen Hauch Anerkennung oder Sympathie zu verlangen. Die Menschen, die dich hassen, hassen dich nicht grundlos, sie hassen dich über kurz oder lang nur, weil du ihnen nicht alles gabst, was du hättest geben können. Hatten sie es denn nicht verdient? Wonach entscheidest du, wer dich lieben und wer dich hassen darf? Sind es diejenigen, die dich lieben dürfen, die auch selbst genug Liebe geben? Aber es trifft doch auch so oft die Falschen, diejenigen die glauben, ja, gar sicher sind, alles gegeben zu haben, was sie zu geben haben. Sie haben dich geliebt, für dich gelebt, dich verehrt und du hast sie hängen lassen. Manchmal sogar, ohne ihnen einen Anhaltspunkt oder die Möglichkeit, etwas ahnen zu können, gegeben zu haben. Wiederum anderen bleibst du ewig treu, oder jedenfalls lange. Liebe Liebe, ich frage dich nochmal, wonach entscheidest du? Schätzen dich nicht alle Menschen? Brauchen sie dich nicht alle?

Zu mir bist du gut, liebe Liebe. Ich danke dir dafür, dass du so zu mir hälst. Ich danke dir , dass ich so lieben kann und auch geliebt werden darf. Ich verspreche dir, dass ich immer gut zu dir sein werde, versprich du mir, das kannst du wohl nicht, dass du es auch zu mir sein wirst. Liebe Liebe, du bist so unberechenbar, dass es mich vor Angst frösteln lässt. Sieh nur, was du Menschen antust, die mir am Herzen liegen. Du bist bedingungslos und kalt, wenn du nicht gerade Wärme spendest, wenn du nicht gerade Mauern baust. Manchmal fühlst du dich an wie Hass, mit deiner Arroganz, deinem Sadismus. Ist das etwa kalkuliert, liebe Liebe? Bringst du die Menschen dazu, dich kurz zu hassen, damit sie dich nach dem Schmerz wieder lieben? Hast du etwa auch Angst, irgendwann nicht mehr geliebt zu werden, dass die Liebe zur Gewohnheit wird? Aber Liebe, das war allein deine Idee. Wer liebt es denn nicht, die Liebe zu lieben, gern zu lieben, Liebe zu kriegen? Es hat doch jeder die Chance verdient, einen Teil von dir zu bekommen, schließlich bist du doch allmächtig. Ich bitte dich, gib den Menschen, die es verdienen,  deine Liebe, damit sie dich wieder lieben können, lass mich dich auf ewig genießen. Vergiß doch einfach mal deine eigene Diktatur. Sei frei.

Liebe Liebe, sei stark..

…ein Liebender.