Montag ist Blogtag. Und weil Montag Blogtag ist, beginne ich meinen wöchentlichen Selbstheilungsprozess, in dem ich wieder einmal für mich und die mir unbekannten, sowie bekannten Leser, zu schreiben, was mich bewegt und stillhalten lässt. Ja, Bloggen ist Selbsthilfe. Dinge zu formulieren, die man sonst weniger ausformuliert oder Gedanken zu vervollständigen, die man sonst aus gegebenen Anlässen nicht zuende denkt, oder man einfach nicht darauf kommt, was man eigentlich denken oder sagen möchte. Vielleicht sollten wir uns alle nur noch über Schrift unterhalten. Dann kann man Dinge eben überlegt formulieren und müsste sich nicht mehr um Kopf und Kragen reden, um etwas verständlich zu machen. Das Dumme ist nämlich, das wenn ich versuche, etwas so zu sagen, wie ich es schreiben würde, kommt es oftmals völlig falsch an, weil es eben einfach keine “Löschen- Taste” gibt. Vielleicht sollte ich aber auch einfach nicht mehr gleichzeitig reden und denken, das ist zwar gut, wenn man in kurzer Zeit viel sagen möchte, kann einen aber auch schnell vom Pfad abbringen und einen in Erklärungsnöte bringen, die mit Worten nicht gut zu machen sind, weil man ja automatisch den gleichen Fehler wieder machen würde. Das ergibt einen ganz heftigen Knoten in Kopf, Zunge, Wort und Argumentation. Was also tun? Erst denken, dann reden? Gar nicht reden, nur schreiben? Die erste Idee klingt gut, ist aber blöd, wenn man immer versucht, sich gut auszudrücken. Die Pausen, die dann entstünden, könnten eine Aussage machen, die man gar nicht machen will. Wenn das Gegenüber diese Pause nämlich falsch interpretiert, gerät man wieder in die Erklärungsfalle, die entweder Knoten verursacht, oder für Pausen sorgt, die an der Stelle nicht hingehören. Ein Teufelskreis. Ich könnte natürlich einfach nicht mehr versuchen, mich gewählt auszudrücken und Gespräche auf Stammtischniveau führen, um dem zu entgehen. In diesem Fall würde ich dann reden, aber nicht denken. Eine Universallösung scheint mir aber auch das nicht zu sein. Eigentlich macht es Spaß, zu formulieren, weil man viel sagen, kann, ohne dabei viel zu reden (Oder eben doch, wenn man die 320 Wörter vorweg betrachtet). Manchmal möchte ich soviel sagen und manchmal tue ich das auch. Manchmal kostet mich das wahnsinnig viel Energie, weil ich dann versuche, alles, was ich zuvor gesagt habe, nochmals zu erklären, um auf Nummersicher zu gehen. Und wieder befinde ich mich in dem Teufelskreis. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, bei allem, was ich sage, in Rechtfertigungsnot zu gelangen. Oftmals weiss ich aber leider nicht mehr genau, was mein genauer Wortlaut war, was mein Gegenüber glauben lässt, meine Argumentation oder Aussage sei entkräftigt. Man versucht es weiter zu erklären und hat fast verloren. Wenn man dann noch sicher ist, im Recht zu sein, oder alles gar nicht so zu meinen, wie es vielleicht geklungen hat, ist alles vorbei. Wie oft denke ich mir dann “Schüli, aus der Nummer kommst du nie mehr raus!” Man kann natürlich auch alles kaputt reden. Man kann auch in einen Rederausch verfallen, ausschweifen und dann vergessen, auch mal das Gegenüber reden zu lassen. Meine Klassiker im Absichern vor Situationen, wie der gerade beschriebenen sind: “Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.”, “Das klingt jetzt vielleicht böse, meine es aber nicht so, und ich hoffe du weisst, was ich damit sagen möchte.”, “Ich weiss nicht, wie ich es erklären soll.” (Das sichert im Vorwege ab, kann aber der Diskussionstod für einen sein), “Nein, so meinte ich das nicht, ich meinte (…) ach, ist ja eigentlich auch egal.” (Flucht, aber nach vorn, das bringt den Anderen nämlich in Not, für seine Sache einstehen zu müssen) und natürlich “Ich habe wirklich keine Lust, mich immer für alles rechtfertigen zu müssen!” Garanten zur Rettung von schlechten Erklärungen sind das nicht. Ganz im Gegenteil. Man schaufelt sich damit in der Regel sein eigenes Grab. Schlechter kann man laut Lehrbuch gar nicht reagieren. Wenn man erst einmal in der Zwickmühle ist, eines der Phrasen verwenden zu müssen, ist es auch schon zu spät, das Gespräch zu retten, oder es gar für sich zu nutzen. Zu dem Zeitpunkt hat man sich schon hundertprozentig verstrickt, obwohl man womöglich nur eine kleine Sache sagen oder klarstellen wollte. So schnell geht der Schuss nach hinten los. Um zuküftig solchen Situationen zu entweichen, werde ich wohl einfach direkt sagen, was ich denke (ganz ohne Ausschweifungen), in der Hoffnung, dass es richtig ankommt, oder ich mich nicht um Kopf und Kragen reden muss, um dann mit umgedrehten Wörtern im Mund den Gesprächstod erleide. Und nur dafür, habe ich mich gerade um Kopf und Kragen geschrieben. Ein Teufelskreis.